Softwarebrettspiele

Noch vor 20 Jahren waren die Grenzen zwischen Brett- und Videospiel klar vorgegeben und eine Vermischung fand praktisch nicht statt. Zu den bekanntesten Ausnahmen dürfte wohl BattleChess gehören. Bei der aufgrund der Grafik cartoonhaft brutalen Schachvariante konnte man ein Brettspiel auf dem PC mit erweiterten Funktionen spielen. In diesem Fall um die überzogenen Animationen der mittelalterlich animierten Figuren.

Heute gibt es unzählige Brettspiele, die in Softwareform auf den Markt gekommen sind. Praktisch jedes Kind kennt inzwischen Mahjong, aber wie viele haben es schon mal mit den echten Steinen gespielt? Vermutlich sehr wenige. Auch Klassiker wie Risiko oder Monopoly sind inzwischen auf Disc verewigt. Bei ersterem hat das dem Spiel sogar ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, indem die Entwickler weitere Karten einfügen konnten. Ich kann mich an stundenlangen Spielspaß mit Freunden auf der Europa- und Nordafrikakarte erinnern. Diese Konzentration auf anderthalb Kontinente bedeutet nämlich keine Einschränkung, sondern bot viel mehr Länder, die man „befreien“ musste.
Bei Monopoly werden Nostalgiker aber wohl eher zum Brettspiel denn zur Softwarevariante greifen, zumindest, wenn sie in einem Raum mit Freunden spielen. Zwar kann man auch auf der Konsole und dem PC Geld erlassen oder Sonderdeals machen, aber es geht doch nichts darüber, genüsslich seine Spielgeldscheine zu zählen oder auf einem Extrazettel Darlehen aufzunehmen. Auf diese Weise kann man sich stundenlang beschäftigen. Dafür kann man mit dem Videospiel online schnell und unkompliziert gegen Menschen aus aller Welt antreten, was auch seine Vorteile hat.

Ein besonderer Fall von Softwarebrettspielen ist Mario Party. Vor allem deshalb, weil es gar kein Brettspiel dazu gibt. Das zuerst fürs Nintendo 64 und danach in neuen Auflagen für Gamecube und Wii erschiene Spiel begeisterte bis zu vier Spieler an einer Konsole. Im Hauptbildschirm standen die Spielfiguren aus dem Mario-Universum auf einem liebevoll gestalteten Themenspielbrett wie Dschungel, Unterwasserwelt, Torte etc. Es wurde nun reihum gewürfelt, entsprechend der Augenzahl gezogen und wer auf Spezialfeldern landete löste bestimmte Aktionen aus. Wie ein richtiges Brettspiel halt. Der Clou kam aber nach jeder Runde, wenn man in Minispielen gegeneinander antrat, bevor die nächste Runde startete. So verdiente man sich Münzen, welche man zum Kauf von Sternen brauchte, um das Spiel zu gewinnen.

Bild: Thommy Weiss / pixelio.de